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Esel beim Bundesheer – ein Tragtier der Vergangenheit und der Zukunft

 

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4.10.2016

Esel Bundesheer

In einer wunderschönen Gebirgslandschaft der Kitzbüheler Alpen liegt das Tragtierzentrum Hochfilzen des österreichischen Bundesheers. Ein einzigartiges fachwissenschaftliches Zentrum für Tragtiere im militärischen Einsatz, dem es gelungen ist, Tradition mit modernen Bedürfnissen und Ideen zu verknüpfen.

Ich habe mir eine militärische Einrichtung etwas anders vorgestellt. Anstatt hohen Zäunen und Schranken fanden wir in Hochfilzen einen angenehmen Platz mit netter Atmosphäre und gut gelaunter Besatzung. Es ist sicher ein guter Arbeitsplatz für die rund 20 Kadersoldaten des Tragtierzentrums und ungefähr 50 Rekruten. Natürlich wird auch für die Tragtiere bestens gesorgt. In Hochfilzen gibt es für sie viele Weiden sowie eine eigene Alm, große Boxen, zwei Reitplätze und eine Reithalle. Und ein eigenes großes Gebiet mit zahlreichen Wander- und Reitwegen.

Tragtiere haben eine ununterbrochene Tradition im österreichischen Bundesheer. Bis vor kurzem wurden ausschließlich Haflinger Pferde eingesetzt. Moderne Grundgedanken, die Erfahrungen aus internationalen Einsätzen der letzten Jahre reflektieren, haben neue Ideen und Herausforderungen gebracht. In Hochfilzen entsteht ein internationales Kompetenzzentrum für Tragtiere im militärischen Einsatz. Ab nächstem Jahr finden im Tragtierzentrum Hochfilzen regelmäßig Lehrgänge für in- und ausländische Soldaten statt, um sie als Fachleute für die Einsetzung der in Einsatzgebieten verwendeten Tragtiere – Pferde, Esel und Maultiere - auszubilden.

Esel Tragtierzentrum

In einigen Krisengebieten kommen Esel als Tragtiere wieder zum Einsatz, z.B. im gebirgigen Afghanistan werden sie für Waffen- und Munitionstransporte in schwer zugänglichen Gebieten von einigen Spezialtruppen der alliierten Streitkräfte verwendet. Der Einsatz der Tragtiere hat dort auch zur erfolgreichen Tarnung und Geheimhaltung einiger Operationen beigetragen.

Der Vorteil der Esel als Tragtieren im militärischen Einsatz ist, dass die Esel im Gegenteil zu Pferden auch in ungewöhnlichen oder gefährlichen Situationen ruhig bleiben. Das Pferd flüchtet, der Esel erstarrt. Die Ruhe und Gelassenheit der Esel ist deshalb beim Tragen von speziellen Lasten ein großer Vorteil. Außerdem kann ein Esel länger als ein Pferd ohne Futter und Wasser auskommen. Überdies sind Esel fähig, im steilen Gebirge und großen Höhen trittsicherer zu gehen. Das Arbeitsleben eines Esels ist fast doppelt so lang wie das aktive Arbeitsleben eines Pferdes.

Im Tragtierzentrum Hochfilzen befinden sich ungefähr 40 Haflinger Pferde und neulich zwei junge Esel. Die Anzahl der langohrigen Tragtiere soll aber bald erweitert werden. Alle Tragtiere hier sind Wallache oder junge Hengste. Stuten gibt es hier nicht, eine eigene Zucht ist nicht geplant. Pferde und Esel werden als Jungtiere eingekauft und selbst ausgebildet. Nach dem Einsatzleben beim Bundesheer wird für einen guten Pensionsplatz der Tragtiere im Zivilbereich gesorgt.

Esel Bundesheer

Im Moment befinden sich die ersten zwei Esel in der Ausbildung im Tragtierzentrum und diese haben sich gut bewährt. „Die Esel übertreffen unsere Erwartungen, sie sind sehr gelehrig.“, sagt Herr Major Josef Hager, der Kommandant des Tragtierzentrums Hochfilzen.

Die beiden Esel zeigen eine große Ausdauer und nehmen an den Märschen mit den traditionellen Haflingern teil. Einen 40 km langen Marsch mit 1200 Höhenmeter Unterschied haben sie in nur 9 Stunden bewältigt, ohne einem Zeichen von Überforderung. Die Tragtiere müssen auf mehrtägigen Märschen in einem Feldlager kampieren, wo sie ausreichend versorgt werden.

Für ausgewachsene, trainierte Esel wurde hier im Tragtierzentrum eine maximale Traglast von 70 bis 80 kg festgelegt. Ein Haflinger Pferd kann bis zu 150 kg Gepäck tragen.

Obwohl die zwei jungen Eselhengste erst seit nur 3 Monaten im Tragtierzentrum sind, hat unser Team bei einem Marsch erleben können, dass die Ausbildung der beiden Tiere in guten Händen ist. Die Esel sind entspannt im guten Tempo gemeinsam mit den Haflingern marschiert, haben Bäche ohne Zögern überquert und beim Stoppen brav gewartet ohne am Gras zu knabbern.

Esel Bundesheer

Die Tragausrüstung beruht auf bewährten Traditionen. Der Tragsattel für die Haflinger wiegt ca. 40 kg und wird auf den Rücken jedes Pferdes individuell angepasst. Die Esel werden mit Sättel von Typ McClellan ausgebildet. Alle Sättel sind mit Vorder- und Hintergeschirren ausgestattet. Als Pad dient eine Militärdecke, die im Feldlager auch dazu benutzt wird, das Tragtier bei Kälte zuzudecken. Zum Führen der Haflinger verwenden die Soldaten Zaumzeug mit einer Trense, die man bei Rastpausen entnimmt. Die Esel werden auf einem gebisslosen Sidepull-Zaumzeug geführt.

Wir sind stolz auf die Esel, die in der Vergangenheit, z.B. bei Gallipoli im ersten Weltkrieg, sowohl auch heutzutage in Afghanistan, wichtige Leistungen bei der Unterstützung der Menschen im Krieg gebracht haben und immer noch bringen. Und wir sind stolz, dass das österreichische Bundesheer mit dem Betreiben des Fachzentrums für Tragtiere im Militäreinsatz eine internationale Anerkennung und Wirkung findet. Wir wünschen viel Erfolg auch in der Zukunft!


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