• Eselwandern in Mariazell

Esel und Gebiss – das tut weh!

 

Kategorien

26.7.2016

In diesem Blogbericht möchte ich erklären, warum ich davon abrate, Gebiss bei Eseln zu benutzen und welche gebisslose Zäumungen man stattdessen gut einsetzen kann.

Esel mit Gebiss

Als erstes möchte ich jeden Eselbesitzer bitten, sich das Maul seines Esels genau anzuschauen, vor allem das Maul der Eselwallachen und Eselhengsten. Die Stellung der Hakenzähne (Hengstzähne) im Maul bei den Eseln ist zu nah zum Mundwinkel (siehe Foto rechts). Wenn man ein Gebiss in das Eselmaul steckt, dann stoßt das Metall oben direkt auf die Hakenzähne bei jeder Bewegung! Autsch!

Gebiss allgemein ist ein hartes Mittel um das Reittier zu einer bestimmten Kopfstellung zu zwingen. Die meisten Reiter - Anfänger sowie Hobbyreiter oder auch Turnierreiter der modernen Dressur oder modernen Westernsport, machen alle Nutzung dieses harten und manchmal schmerzhaften Mittels. Anhänger des Reitens mit einem Gebiss sagen – aber es funktioniert. Ja, das stimmt auch – es funktioniert, und es funktioniert sogar bei schlechten Reitern, denn durch Schmerz kann sich jeder durchsetzen. Es ist eine Abkürzung, härtere Mittel zu benutzen.

Leichtes Reiten ohne Gebiss ist dagegen ein längerer Weg, es erfordert viel Zeit und Können.

Esel mit Sidepull

Esel oder Mulis sind schwieriger zum Anreiten als Pferde, denn es ist typisch für Esel und Muli, sich gegen den Zügeldruck mit Gegendruck zu wehren. Ein Pferd folgt relativ natürlich eine Zügel oder einen Führstrick. Den Esel muss man aber erst überzeugen, es ist von Vorteil die Hand mit Zügel oder Führstrick immer zu folgen. Einen Esel so auszubilden, dass er leicht zum Führen und am Zügel ist, kostet viel Zeit und Geduld. Deshalb ist es sehr verlockend, eine Abkürzung des mühsamen Weges in Form eines Metallgebisses zu nehmen – es funktioniert ja. Wenn Euch nicht das genug überzeugt, einmal einen super leicht berittenen Esel zu genießen, den man auch am einfachen Halfter reiten kann, dann erinnert Euch bitte immer wieder an die Stellung der Hakenzähne bei Eurem Esel! Das übliche Argument der Gebissanhänger, dass ja in der Stelle, wo sich im Mund des Pferdes ein Gebiss befindet, keine Zähne sind und es tut deshalb nicht weh, stimmt bei den Eseln einfach nicht.

Welche Möglichkeiten gibt es denn, gebisslos zu reiten? Ich empfehle entweder einen Sidepull oder ein Hackamore (Bosal), je nach der Erfahrung und Einsatz des Reiters

Sidepull (siehe Foto links), das heißt eine Zäumung, wo die Zügel an beiden Seiten des Nasenriemen angehängt sind und durch deren Zug die Nase bewegen, eignet sich meiner Meinung nach bestens für Anfänger oder für alle Freizeitreiter. Man kann dem Esel auf keinen Fall weh tun, und doch ist der Sidepull effektiv genug um alle üblichen Manöver durchzuführen

Esel mit Hackamore

Ein Hackamore (siehe Foto links), der bei uns oft als Bosal bezeichnet wird, ist eine gebisslose Zäumung aus Rohhaut, die aus dem Westen der USA kommt. In Kalifornien benutzt man diese Zäumung um junge Pferde anzureiten. Als Hackamore-Reiter muss man unbedingt lernen, sehr fein zu reiten, diese Zäumung erlaubt dem Reiter keine groben Fehler. Dasselbe ist aber gleichzeitig ein Vorteil - mit Hackamore kann man sehr fein reiten, es erlaubt sehr leichte und präzise Signale. Ein weiterer Vorteil ist, es ist eine offiziell anerkannte Zäumung im Westernsport. Das heißt, man kann ohne Gebiss an offiziellen Prüfungen oder Turnieren der Western Disziplinen antreten, wenn man mit Hackamore reitet.

In einigen Ländern bzw. Bundesländern gibt es angeblich rechtliche Grundlagen, die ein Ausreiten nur mit einem Gebiss erlauben. Der Grund sollte die Straßensicherheit sein – man möchte uns vorschreiben, dass ein Reittier nicht dann straßensicher ist, wenn es gut trainiert ist – und das muss ein gebisslos berittener Esel, Muli oder ein Pferd auf jeden Fall sein, sondern wenn es mit einem hartem, schmerzhaften Mittel gezäumt wird. Diese veraltete Verordnung ist meiner Meinung nach gegen den Tierschutz. Vielleicht muss halt dieser Widerspruch mal öffentlich erläutert werden? Ich sage öffentlich – ich reite ohne Gebiss aus. Ausschließlich. Für die Straßensicherheit mache ich viel mehr, wenn ich meine Esel gut trainiere und wenn sich meine Tiere gut und bequem fühlen und damit ruhig und ausgewogen sind.


Esel Training

Esel Gesundheit

Esel Reportage