• Eselwandern in Mariazell

Gesunde Eselhufe

 

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8.10.2015

Eselhufe

Am Anfang möchte ich gleich das häufigste Klischee abklären: „Esel haben steile Hufe“.

Es ist zwar richtig, dass der Esel, dessen natürliche Umgebung steiniges Berggelände ist, etwas steilere Hufe als ein Pferd hat, aber das große Missverständnis liegt leider in einer falschen Interpretation, was eigentlich ein steiler Huf ist.

Schaut Euch sorgfältig das erste Bild an, wo ich aufgezeichnet habe, in welcher Weise viele Leute die Steilheit der Hufe missinterpretierten. Ich finde sehr wichtig, dass die Eselbesitzer den Unterschied zwischen einem steilen Huf und einem Bockhuf verstehen. Die meisten Leute, sogar viele erfahrene Eselzüchter, verstehen den Unterschied nicht.

In der Abbildung seht Ihr 3 verschiedene Hufformen. Auf den ersten Blick glaubt man, der Huf (1) in der Abbildung sei weniger steil als die zwei anderen (2) und (3). Das ist aber falsch, es ist nur eine optische Täuschung! Der Winkel der vorderen Hufwand ist in allen Abbildungen derselbe - exakt nachgemessen! Der Unterschied ist, dass der Huf (1) niedrige Trachten hat und die Haarlinie ist nicht bodenparallel, sondern fallend. Merkt Euch das gut! Beim gesunden Huf fällt die Haarlinie nach Unten. Beim Bockhuf ist die Haarlinie bodenparallel – siehe Huf (2).

In einem gesunden Huf sind die Gewichtkräfte gleichmäßig aufgeteilt. Beim Bockhuf dagegen, entsteht im mittleren und hinteren Hufbereich ein zusätzlicher Druck. Mit der Zeit verursachen diese Druckkräfte Aufwölbungen, die man an der Haarlinie, die einen Übergang zwischen dem Huf und dem Bein bildet, gut beobachten kann – siehe Huf (3) in der Abbildung.

Eselhufe

Leider sieht man diese Aufwölbungen und Bockhufe bei vielen Hauseseln. Je grösser der Esel, desto grösser die Gewichtskräfte, die der Huf aufnehmen und verteilen muss. Es ist also kein Zufall, dass Hufprobleme öfters bei großen Eseln auftreten. Man versucht dann die Hufprobleme mit alternativen Methoden zu „heilen“, wie z.B. Hufschuhen, ohne dass man die Ursache beseitigt – die hohen Trachten.

Wenn man sich die wenige vorhandene Fotos von Wildeseln in der freien Natur anschaut, haben die Wildesel kurze Trachten und einen fallenden Winkel der Haarlinie. Eine ordentliche wissenschaftliche Studie an diesem Thema bei den Eseln wurde jedoch meines Wissens noch nicht durchgeführt. Ich wollte mir deshalb einen zweiten Beweis holen.

Und zwar habe ich die Hufe aller unseren Eselfohlen kurz nach der Geburt beobachtet und fotografiert, damit ich sehe, wie genau die Hufe aussehen, noch bevor sie durch Umwelteinflüsse oder Hufkorrektur beeinflusst werden. Schaut Euch das Foto der Eselfohlenhufe in diesem Artikel an. Hufe der ein paar Tage alten Eselfohlen haben niedrige Trachten, eine deutlich fallende Haarlinie, und eine schöne Wölbung seitlich unten an der Hufwand. Sehr ähnlich dem Naturhuf nach Jamie Jackson, der eine Studie der Hufform der wildlebenden Mustangs in Nordamerika durchgeführt hat und eine Hufkorrektur-Methode danach entwickelt hat, den sogenannten Natural Trim.

Eselhufe

Und so kommen wir zum weiteren Punkt, der die Gesundheit der Hufe stark beeinflusst – die Umgebung. Ein Huf passt sich mit der Zeit seiner Umgebung an. Lebt der Esel am weichen Untergrund (Weide, Einstreu), wird der Huf mit der Zeit auch weich. Wenn man mit dem Esel dann plötzlich am Schotterweg wandert oder am Asphalt den Wagen fährt, ist der Huf diesen Schock nicht gewöhnt. Gönnt man aber den Eseln eine möglichst natürliche Umgebung mit regelmäßiger Bewegung – hier ist vor allem tägliche Bewegung unter anderem am harten Boden gemeint (Asphalt, Steine, Sand), werden die Hufe schön, hart und problemlos.

Um gesund zu sein, braucht Ihr Esel genug Auslauf (mindestens 2 ha) und die Gesellschaft anderer Esel, (dass die Esel auch öfter zu Galoppspielen motiviert sind) mit verschiedenen Bodenbelägen (Weide, Sand, Steine). Baut den Stall und Auslauf nach den Prinzipien des Paddock Paradise (auch Paddock Trail oder Aktiver Stall genannt). Macht den Stall und Weide für Eure Esel nicht bequem, sondern motiviert sie zu mehr Bewegung – baut Hindernisse dort, wo sie sich täglich bewegen müssen (Stalleingang, Leckstein, Tränke).

Ich wünsche Euren Eseln gesunde Hufe und eine regelmäßige Bewegung!

Links zum Thema:

http://www.aanhcp.net- Natural Trim, Paddock Paradise, Jamie Jackson


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