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Eselreiten - wann ist der Reiter zu schwer?

 

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27.11.2015

Im heutigen Bericht möchte ich ein anderes häufiges Klischee abklären, und zwar die 20% Gewichtsgrenze für die Eselbelastbarkeit.

Ich möchte nicht dazu anregen, dass man die 20% Gewichtsgrenze einfach überschreitet. Mein Ziel ist stattdessen, ein paar wichtigere Belastungsfähigkeit-Kriterien aufzuzeigen, als das Gewicht und die Größe des Esels.

In allen Eselbüchern steht, ein Esel ist bis 20% Eigenwichts belastbar, ohne den Ursprung oder Grund dieser Behauptung zu erwähnen. Klischees zeichnen sich dadurch, dass sie ohne Quellkenntnis wiederholt werden. Die ursprüngliche Informationsquelle ist in diesem Fall das US Kavalleriehandbuch (US Cavalry Manual of Horse Management). Das heißt es handelte sich ursprünglich um eine Empfehlung für die Belastbarkeit der Militär-Pferde aus dem Jahr 1920.

Esel Reiter in Balance

Seit 1920 ist in der Forschung viel geschehen und es gab Studien, die die Größe als das ausschlaggebende Belastbarkeit-Kriterium widerlegen. Z.B. eine Studie der Belastbarkeit der Pferde auf der Ohio State University im 2008 oder eine Studie über Beurteilung der Überlastung durch Symmetrie der Gänge aus Japan, erschienen in the Animal Science Journal in 2013. Für mehr Info über diese 2 Studien siehe Links am Ende dieses Berichtes.

Die wichtigsten Belastbarkeit-Kriterien sind meiner Meinung nach folgende:

1. Der Körperbau:
Experimentelle Studien belegen, dass Tiere mit einem breiten Rücken bzw. Lende und mit einem größeren Röhrbein-Umfang eine deutlich bessere Belastbarkeit zeigen.

Die Widerristhöhe und das Gewicht haben sich als weniger bedeutend erwiesen.

2. Der Trainingszustand, Muskelzustand
Esel sind von Natur aus weniger bemuskelt als Pferde, und brauchen deshalb noch mehr Muskelaufbautraining. Trotzdem bekommen die meisten berittenen Esel weniger oder kein Muskelaufbautraining

Wird der Esel ausgiebig gymnastiziert, wird er flexibel und baut eine zum Tragen erforderliche Muskulatur auf. Fortgeschrittene Übungen setzen den Esel mehr auf die Hinterhand. Das alles erhöht deutlich seine Tragfähigkeit

3. Die Ausrüstung - der Sattel
Der Sattel muss den Eselrücken schützten und trotzdem eine freie und lockere Bewegung erlauben.

Das Schulterblatt des Esels muss sich frei bewegen können. Ein baumloser Sattel verteilt das Reitergewicht nicht, erlaubt aber einem schlechten Reiter, schief zu sitzen – es ist also im Endeffekt noch schlimmer, als ohne Sattel zu reiten.

Der ideale Sattel für einen Esel ist ein kurzer, schmaler Sattel mit einem festen Baum und erhöhtem Mittelteil.

4. Reiterliche Fähigkeiten des Reiters
Gute Balance, eine leichte und ruhige Reitweise ohne Zwang, und die Fähigkeiten und Kenntnisse, dem Esel Gymnastik-Übungen beizubringen und den Esel auf die Hinterhand zu setzen, erhöhen wesentlich die Tragfähigkeit des Esels und schonen seinen Rücken.

Diese natürliche Versammlung sei auf keinen Fall mit einer erzwungenen Versammlung, die man in der modernen Dressurreitweise sieht, zu verwechseln. Zu einer natürlichen, gewaltfreien Versammlung kommt man dank einem langjährigen Gymnastizieren-Training und man verlängert dadurch das Arbeitsleben des Tieres. Mit einer durch Zügel oder Ausbinder erzwungene „Versammlung“ bekommt man ein gebrochenes Tier mit späteren Hals- und Rückenproblemen.

Wie erkenne ich, dass der Esel (nicht) überlastet ist?

Ein nicht überlasteter Esel zeigt sich entspannt, hat eine gute Laune, bewegt sich in allen Gangarten willig und seine Gänge sind leicht und symmetrisch. Ein überlastetes Tier stolpert, bewegt sich unter Zwang, seine Gänge sind unsymmetrisch.

Und zuletzt noch eine Überlegung. Es ist klar, dass das Reiten uns Reitern Spaß macht. Aber was hat der Esel davon?

Warum sollte ein Esel beritten werden? Was ist für den Esel Gutes daran, beritten zu werden?

Ein Esel braucht sehr viel Bewegung – je größer der Esel, desto mehr Bewegung braucht er. Entfernungen und Geschwindigkeit im Gelände, die die wildlebenden Esel täglich in Anspruch nehmen müssen, können wir ohne Reiten sonst nur schwer nachbilden.

Beim Kutschenfahren werden Vorderbeine zu viel beansprucht und der Hinterteil bleibt stark unterbemuskelt. Beim Reiten dagegen werden Hinterbeine viel beansprucht und trainiert. Beim Wandern mit Eseln im bergigen Gelände werden die natürlichen Bewegungen des Esels gut nachgeahmt, aber man ist an das Schritttempo und unsere menschliche Ausdauer angewiesen. Für einen großen Esel ist allein das Wandern deshalb zu wenig.

Schauen Sie sich ein Video vom Esel Vili an – ein Beispiel eines mittelgroßen (115cm Stockmaß), aber ausgezeichnet gebauten, gut trainierten Esels mit einer perfekt passenden Ausrüstung:

Links zum Thema:

Method for estimating maximum permissible load weight for Japanese native horses using accelerometer-based gait analysis

“Evaluation of indicators of weight-carrying ability of light riding horses,” bei Ohio State University Agricultural Technical Institute


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